„Ich weiß genau wovon ich rede.“ (Klaus Kinski zum 100. Geburtstag)

Ich glaube ihm, wenn er sagt, er wisse genau wovon er rede. Er redet brillant, klar, aber er reißt sich in einen Strudel, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Er ist gefangen in seiner Wut, überwältigt, deckt alles mit ihr zu, seine Verletzungen, seinen Schmerz, er stürzt sich auf die anderen, nutzt sie aus, beutet sie aus, um sich selbst nicht spüren zu müssen.

Er kann nicht anders, als andere in sein Leid zu reißen. Wie unendlich groß muss das Leid dieses Menschen gewesen sein?

Juan Horn

An einem warmen Sommerabend trafen sich sieben Menschen unter einem Baum. Von diesen sieben Menschen waren vier Menschen männlich und drei Menschen weiblich, was von Anfang an Unruhe in den Abend brachte, denn es war geplant, dass sich vier Männer und vier Frauen treffen, um für eine ausgeglichene Geschlechterquote zu sorgen, denn, so sagt einer der Teilnehmenden, eine ausgeglichene Quote zwischen den Geschlechtern sorgt für Ruhe, während eine unausgeglichene Quote zwischen den Geschlechtern für Unruhe sorgt.

Ein gewisser Horn, ein teilnehmender Mann dieses Treffens, erhob sich deshalb und sagte: „Tut so, als sei ich nicht anwesend, dann haben wir eine ausgeglichene Quote von drei Männern und drei Frauen!“, woraufhin einer der Teilnehmer, es ist unbekannt ob Mann oder Frau, entgegnete, sie schaffe es nicht, so zu tun, als ob Horn nicht anwesend sei, woraufhin Horn meinte, er fühle sich heute Abend nicht mit seinem Geschlecht identifiziert, was es erleichtern sollte, so zu tun, als sei er nicht anwesend. Schließlich wurde Horn gefragt, ob er nicht die vierte Frau rufen könne, die ursprünglich hätte kommen sollen, dann müsse man nicht so tun, als ob er nicht anwesend sei, woraufhin Horn laut zu rufen begann, aber alles Rufen half nichts, die vierte Frau erschien nicht, woraufhin alle so taten, als sei Horn nicht anwesend, außer dem Teilnehmer, die es nicht schaffte, so zu tun, als sei Horn nicht anwesend.

Es wurde nun viel über Horn, aber nicht mit Horn geredet, wobei der Name Horn nicht fiel, denn Horn ist der Nachname dieses männlichen Menschen, und sein Vorname ist Juan, man redete also über Juan, Juan hin, Juan her, was macht Juan wohl heute Abend, er ist wohl verhindert, vielleicht hat er Probleme, sich mit seinem Geschlecht zu identifizieren und ist deshalb nicht gekommen, darüber wurde geredet, und wenn Horn, der ja anwesend war, obwohl alles so taten, als ob er nicht anwesend sei, wenn Horn das Gefühl hatte, das Gespräch über ihn kommt ins Stocken, dann redete er über sich in der dritten Person, um das Stocken wieder zu einem Fließen zu machen, er sagte zum Beispiel: Ich glaube, Juan ist heute nicht hier, weil er sich gerade nicht mit seinem Geschlecht identifizieren kann.

Nur einer, einer der Anwesenden, sie redete nicht, war es ein Mann oder eine Frau, es ist wieder nicht bekannt, er redete und redete nicht, nach einiger Zeit, als der Abend schon in die Nacht übergegangen war, sagte sie: Über wen redet ihr hier die ganze Zeit? Wer ist dieser Horn, und hat er keinen Vornamen, weil ihr immer nur Horn sagt, wenn ihr über ihn redet? Daraufhin meldete sich Horn und sagte: Natürlich hat dieser Horn einen Vornamen, im übrigen wird auch dauernd nur sein Vorname gesagt, Juan wird gesagt, das ist sein Vorname, und ich frage mich, wie es passieren kann, dass jemand Juan sagt und jemand anderer Horn versteht. Da kam das Gespräch ins Stocken, Horn machte keinen Versuch mehr, das Gespräch ins Fließen zu bringen, und die Menschen beendeten ihr Treffen unter einem Baum.

Marbet

Martina und Bettina sind eineiige Zwillingsschwestern. Da sie kaum zu unterscheiden sind, werden sie von vielen Marbet genannt, von wenigen, die sie unterscheiden können, werden sie Mar und Bet genannt.

Ihre Mutter Christina sagt:
„Ich liebe meine zwei Tinas! Und gemeinsam sind wir drei Tinas!“
Vater Christoph stört es nicht, von dieser Dreieinigkeit ausgeschlossen zu sein. Er sagt:
„Ich liebe meine Frau und meine Töchter! Wie hätten wir sie denn nennen sollen, wären sie Söhne geworden? – Martoph und Bettoph? Nein, nein, ich Toph liebe meine drei Tinas! Und wenn es mir mal zuviel wird, lese, höre oder schaue ich Karl Valentin.“

Mar und Bet haben mittlerweile das Erwachsenenalter erreicht. Sie lieben denselben Mann, der Sebastian heißt. Sie nennen ihn, zu Ehren ihres Vaters, liebevoll Sebastoph. Sie erwarten jeweils ein Kind von ihm. Sebastoph ist – es überrascht einen nicht – ein Mann, der sich gern mit Frauen umgibt.

Gespannt erwarten alle die Geburt der beiden Kinder, und alle hoffen, dass zwei Mädchen geboren werden, die sie Valentina und Sebastina nennen wollen.

Welt Wer Worte