Es muss Liebe sein

Du liegst im Gras und lässt die ersten warmen Frühlingsstrahlen der Sonne auf dich scheinen. Das Licht zeichnet sanft deine Konturen.

Beim Anblick von dir erinnere ich mich an die Zeit, als alles in mir Frühling war, als das Leben begann, sich groß vor mir aufzubauen, als eine Flut von Liebe auf mich zukam. Ich stürzte mich in diese Flut. Ich stürzte mich auf Kathi aus der Parallelklasse, die immer traurig-böse dreinschaute. Ihr Schauen beförderte meinen Ehrgeiz, ihr Herz zu erobern. In ihrem Schauen sah ich die Flut, in der ich ertrinken wollte.

Entschlossen meldete ich mich und meine Kumpels für einen musikalischen Beitrag beim Schulabschlussfest an: Nach wochenlanger intensiver Probierei und Tüftelei bespielten wir die Bühne mit It Must Be Love von Madness. Bevor wir losspielten, sagte ich vor versammelter Menge: This is a song for Kathi, my greatest love of all! Dann spielten wir los, mad, verrückt, wie große Popstars, um die Liebe auf die Spitze, ins Absurde, zu treiben. Es muss schrecklich geklungen haben, aber wir waren überzeugt, mindestens so gut wie Madness zu spielen, mindestens so verrückt, wenn nicht sogar verrückter. Ich spürte eine Welle, die mich trug.

Kathi stand in der Menge und schaute traurig-böse. Nach unserer Madness-Show ging ich von der Bühne und schnurstracks auf sie zu. Ich spüre jetzt noch diesen geradlinigen Mut in mir, diese Welle, die mich trug. Sie rannte davon, ich ihr nach, draußen hinter den Hecken holte ich sie ein. Ich packte sie, sie wehrte sich, doch plötzlich sank sie vor mir hin. Ich strich über ihre Brüste, die sich rund und weich anfühlten, ja, das habe ich am meisten in Erinnerung, dieses Gleiten meiner Hand über ihre weichen und runden Brüste. Dann packte sie mein Gesicht mit beiden Händen und presste ihren Mund fest an meinen. Ich erschrak und wich zurück. Das war zu viel Liebe. Da war die Flut, die über mich kam, und ich hatte plötzlich Angst, in ihr zu ertrinken. Ich drehte mich um und ging zurück ins Trockene, zu meinen Kumpels. Später sah ich Kathi inmitten ihrer Freundinnen, mit Tränen in den Augen.

Du liegst immer noch im Gras. Ich sitze hinter dir, am Stamm des Baumes, wie ein Maler, um den Moment einzufangen. Als die Sonne die obersten Baumwipfel streichelt, hinter denen sie verschwinden wird, kommst du zu mir. Wir umarmen uns. Ist das jetzt die Flut des Frühlings, oder ist es eine sanfte Welle, die uns trägt? Die Vögel singen es von den Bäumen: Es muss Liebe sein:

Die Weltorganisation für Meteorologie meldet sich bei Vorderbrandner und äußert sich wohlwollend über seine Einteilung der Jahreszeiten

Aus gegebenem Anlass des meteorologischen Frühlingsbeginns hat sich die Weltorganisation für Meteorologie wohlwollend über Vorderbrandners Einteilung der Jahreszeiten geäußert.

Zunächst stellt sie fest, dass die Einteilung nach Monaten auch der ihren entspricht: Der Frühling besteht aus März, April und Mai, der Sommer aus Juni, Juli und August, der Herbst aus September, Oktober und November und der Winter aus Dezember, Januar und Februar. Die Ersetzung der Monatsnamen durch die Attribute früh, hoch und spät – bei Vorderbrandner entspricht der März dem Frühfrühling, der April dem Hochfrühling und der Mai dem Spätfrühling und so weiter – führe zwar zu eigentümlichen Wortphänomenen wie dem Frühfrühling, trage aber zum besseren Verständnis der Jahreszeiten in der breiten Bevölkerung bei. Außerdem trage es zur Vereinheitlichung des Jahreszeitenschemas bei, denn es sei verwirrend, den Frühling in Vor-, Erst- und Vollfrühling einzuteilen, den Sommer aber in Früh-, Hoch- und Spätsommer. Für diese Vereinheitlichung müsse man eigentümliche Wortphänomene wie den Frühfrühling in Kauf nehmen.

Die Einteilung Vorderbrandners ist der Weltorganisation für Meteorologie insgesamt jedoch noch zu ungenau, und sie plädiert dafür, die jeweiligen Früh-, Hoch und Spätdrittel der Jahreszeiten nochmals zu dritteln, den Frühfrühling beispielsweise in einen Frühfrüh-, in einen Hochfrüh- und einen Spätfrühfrühling einzuteilen und so weiter. Auf die konkreten Kalendertage bezogen schlägt die Weltorganisation für Meteorologie  vor, die Tage vom 1. bis zum 10. eines Monats als früh, vom 11. bis zum 20. als hoch und vom 21. bis zum letzten als spät zu bezeichnen. Hier fällt auf, dass der Spätspätwinter im Vergleich zu anderen eine sehr kurze Jahreszeit ist, da er nur vom 21. bis zum 28. Februar dauert, in Schaltjahren bis zum 29. Februar.

Es kommt die Tatsache ins Spiel, dass, während die Erde sich einmal um die Sonne dreht, der Mond sich etwas mehr als zwölfmal um die Erde dreht. Doch diese Tatsache führe weg von der meteorologischen Betrachtungsweise der Jahreszeiten in eine astronomische, bei der der Frühlingsanfang an der Tag- und Nachtgleiche um den 20. März liegt, am Übergang des Hochfrühfrühlings in den Spätfrühfrühling also, so die Weltorganisation für Meteorologie, und deshalb sei dieser Aspekt aus meteorologischer Sicht nicht weiter zu verfolgen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Weltorganisation für Meteorologie eine Vorliebe für eigentümliche Wortkreationen zu haben scheint und Vorderbrandner bei seinen Schöpfungen unterstützt.

Was wäre, wäre Ohlstadt voller Ingenieure?

Ohlstadt, sagt Vorderbrandner, ist für mich seit meinem 37. Lebensjahr ein magischer Ort. Vorher bin ich dort nie gewesen, bin immer auf der Autobahn daran vorbei gefahren, auf der langen Loisachbrücke schwebte ich dahin nach Garmisch oder bin vorher abgebogen, nach links Richtung Kochel oder nach rechts Richtung Murnau.

In meinem 37. Lebensjahr fühlte ich mich so krank, dass Miriam sagte, ich solle zum Arzt gehen, zu einem Arzt, der mich umfassend untersucht, um festzustellen, an welcher Krankheit ich leide. Der Arzt untersuchte mich umfassend und konnte keine Krankheit feststellen, an der ich leide, und er sagte, er kenne jemanden, der Leute behandelt, die glauben, an einer Krankheit zu leiden, obwohl sie an keiner Krankheit leiden. Er schickte mich zu Werner, und Werner sagte, ich solle mit ihm nach Ohlstadt kommen, dort würden wir uns mit anderen Leuten treffen, die auch glauben, krank zu sein, obwohl sie nicht krank sind.

Ich erbat mir Bedenkzeit und wollte von Miriam hören, dass ich nicht nach Ohlstadt fahren soll, doch Miriam sagte, dass ich nach Ohlstadt fahren soll, und auch eine kräftige, starke Stimme in mir sagte, dass ich nach Ohlstadt fahren soll. Ich fuhr nach Ohlstadt, und während der Fahrt sagten andere Stimmen in mir, ich solle umdrehen, es wäre sicherer, weiter krank zu sein, statt mich der Ungewissheit dieser Gruppe fremder Leute auszuliefern, die in Ohlstadt auf mich warten. Doch die kräftige, starke Stimme, die ich tief in mir spürte, setzte sich durch, und wenig später fand ich mich in einem hohen, hellen Raum in einem Stuhlkreis wieder, mit Werner und Leuten, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Panik kam in mir hoch: Diesen kranken Leuten soll ich mich öffnen? Später im Bett wälzte ich mich hin und her, bis ich nur mehr einen Ausweg sah: Abhauen! Ich stieg ins Auto und raste zurück nach München. Ich schreckte Miriam aus dem Schlaf, um dann, nach nächtlicher Besprechung, wieder zurückzurasen nach Ohlstadt, zurück in die Ungewissheit, die man – das wusste ich damals noch nicht – das Leben nennt.

Der Tag begann im Freien, mit meditativer Musik, zu der wir in die Himmelsrichtungen atmeten. Es fühlte sich gesund an. Ich begann zu vertrauen, dass mich die Gruppe trägt, dass die anderen meine Freunde sind, dass ich durch ihre Anwesenheit mein Kranksein loslassen kann. Am Schluss der gemeinsamen Tage, bei einem von Werner organisierten Ritual, verkündete ich vor der Gruppe: „Ich bin jetzt endlich nur ich selber, so wie ich wirklich bin. Das Leben und ich sind eins.“ Danach, nach einem gemeinsamen Abend und einer letzten Nacht, fuhr ich ab aus Ohlstadt und kam nie mehr zurück. Das Leben rief.

Vor kurzem war ich in Garmisch, sagt Vorderbrandner. Bei der Rückfahrt nahm ich nicht die Autobahn, sondern die Bundesstraße 2 nach Murnau, die über Ohlstadt führt. Aufgeregt schlug mein Herz, als ich im gleißenden Sonnenlicht durch die Winterlandschaft rollte. Rechts von mir floss die Loisach, als vor mir ein riesiges Betonbauwerk auftauchte: die Loisachbrücke Ohlstadt, mit 1.315 Metern keine hohe, aber die längste Brücke Bayerns, auf der die Autobahn 95 nach Garmisch das breite, sumpfige Tal der Loisach überquert. Unter den schattigen Betonpfeilern der Brücke nahm ich die Ausfahrt von der Bundesstraße 2 nach Ohlstadt. Ich kam mir vor wie in einem Horrorfilm, der mir die Magie Ohlstadts austreiben soll. Wie viele Ingenieure waren beteiligt bei Konstruktion und Bau dieser riesigen, landschaftsdurchpflügenden Brücke, die Ohlstadt vom Murnauer Moos trennt? Hieß Ohlstadt beim Bau noch Ohlstadt oder Ing-Ohlstadt? Zogen die Ingenieure anschließend weiter nach Ingolstadt und haben das H in Ohlstadt vergessen?

Der Eindruck der Brücke hatte mich irritiert, abgelenkt. Ohlstadt durchquerte ich wie blind, ich konnte nichts mehr erkennen als einen schnöden Ort, der nicht ins Blaue Land von Kandinsky, Münter und Marc zu passen scheint. Ich blickte hinauf zu den Hängen Richtung Heimgarten und Herzogstand, wo wir damals umhergewandert sind mit Werner, auf dem Weg zu uns, auf dem Weg ins Leben. Die Wege trafen sich in Ohlstadt, doch sie gingen weiter, wie alles im Leben. Wohin sind die Wege der anderen gegangen, nachdem wir uns getrennt hatten? Eine kurze Wehmut ergriff mich, ehe mich mein Weg weiter, zurück nach München führte.

Ohlstadt
Loisachbrücke Ohlstadt

Die Kraft des Abschieds

Uteto Fritz, der sich selbst als Künstler und Psychologen bezeichnet und als Begründer der Sprachenergetik gilt, hat sich seit geraumer Zeit aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Vor kurzem wurde er jedoch bei einer Hochzeit gesehen, wo er den kurzfristig verhinderten Hochzeitsredner vertrat. Dort beobachtete er das Brautpaar, er studierte die Mimik und Gestik und die Körpersprache der beiden, ohne mit ihnen zu sprechen. Uteto misstraut der Sprache. In einer seiner letzten öffentlichen Aussagen gab er zu Protokoll: „Obwohl der westliche Mensch glaubt, mit seinem Geschwätz seine Seele verbergen zu können, findet sie doch auf einem anderen Weg ihren Ausdruck: über den Leib, über den Körper.“

Als er genug wahr genommen hatte, hob er an zu seiner Rede an das Brautpaar: „Ich sehe: Ihr sucht die Sicherheit, die Sicherheit des Mutterschoßes. Aber ein Partnerschoß ist kein Mutterschoß. Ihr werdet die Sicherheit, die ihr sucht, dort nicht finden. Es steht geschrieben: Darum verlässt das erwachsene Kind Vater und Mutter und bindet sich an seinen Partner, und sie werden ein Fleisch. Aber zuvor muss das Kind Vater und Mutter verlassen. Ihr habt eure Eltern nie verlassen, sondern sucht sie im Partner. Lernt, Abschied zu nehmen. Um zu euch zu gelangen. Zu eurer eigenen Sicherheit. Zu eurer Freiheit.“

Ein Raunen ging durch die Hochzeitsgesellschaft, und der Bräutigam ballte die Fäuste ob dieser unverschämten Worte, wie er später sagen wird. Die Braut aber lief zu Uteto und fiel in seine Arme. Uteto sagte zu ihr: „Mein Kind, auch ich bin nicht dein Vater, von dem du dich nie geliebt gefühlt hast. Gehe hin und finde deine eigene Kraft, die weibliche Kraft in dir.“

Da ging sie hin und sang das Lied von der Kraft des Abschieds:

Die Erths

Gertrud und Bertram Erth sind Schwester und Bruder. Sie sind getrieben vom Wunsch, bekannt, berühmt und geliebt zu sein. In der Öffentlichkeit traten sie bisher auf als GErth und BErth, was ihnen bisher jedoch keine größere Bekannt- noch Berühmtheit eingebracht hat. Zwischenzeitlich sind sie auch als ram&rud in Erscheinung getreten, doch auch das gab ihrer Bekannt- und Berühmtheit in der Öffentlichkeit keinen Schub. So treten sie nun wieder als GErth und BErth auf.

Nun wurde bekannt, dass ihre jüngere Schwester Hertha Erth, manche sprechen der Einfachheit halber von HErth, sich mit Verben der deutschen Sprache beschäftigt, die heute nur mehr in abgewandelten Formen in Gebrauch sind. Kürzlich veröffentlichte HErth eine Abhandlung über das Verb behren, dass heute nur noch in der Form entbehren gebräuchlich ist. Behren, so HErth, bedeutet ursprünglich tragen. Man kann also sagen, so HErth weiter: Ich behre die Beere.

Diesen poetischen Satz ihrer jüngeren Schwester griff GErth auf wie einen letzten Strohhalm zur Bekannt- und Berühmtheit und tritt auf einer Bühne auf, auf der sie gehend eine Beere in der Hand trägt und dazu die Worte spricht: Ich behre die Beere, ich lehre die Leere. BErth, ihr Bruder, geht dabei neben ihr und nickt zustimmend.

Einer im Publikum ruft im Nachhall dieser Sätze: Ich gehre die Göre. Er benutzt das Verb gehren, obwohl HErth dieses Verb noch gar nicht abgehandelt hat, das Verb, das heute nur mehr in der abgewandelten Form begehren gebräuchlich ist. Offen bleibt, ob mit der Göre GErth, also Gertrud die Vortragende, gemeint ist oder eine andere Person im Saal. Oder gar HErth?

Ein anderer im Publikum ruft den Rufer zur Ordnung und ruft: Sei still und höre die Hehre!

In dieser Stille, die jetzt herrscht, stellen sich viele Fragen: Ist GErth die Göre und HErth die Hehre? Oder umgekehrt? Oder keine von beiden? Welche Rolle spielt BErth in diesem Spiel? Spielt er überhaupt eine?

GErth bleibt auf der Bühne stehen und ihr Blick geht in die Leere. In ihrer Hand behrt sie reglos die Beere, so als soll dieser Moment, der GErth und BErth endlich bekannt, im besten Fall sogar berühmt machen soll, nie vergehen.

Ich will alles

Eric Rohmer hatte sich, wie üblich zur Vorbereitung seiner Filme, über ein Jahr lang mit seiner ausgewählten Darstellerin Emmanuelle Chaulet getroffen, mit ihr ausgiebige Gespräche geführt, um ihr ihre Rolle in Der Freund meiner Freundin (L’ami de mon amie) auf den Leib zu schreiben. Bei den Dreharbeiten missfiel ihm ihr Verhalten und er schrie sie an: „Hör auf zu spielen! Du sollst so sein, wie du bist!“ Chaulet war, ihren eigenen Aussagen zufolge, einem Nervenzusammenbruch nahe. Völlig erschöpft flüchtete sie nach den Dreharbeiten in der Trabantenstadt Cergy-Pontoise bei Paris nach La Rochelle an die Atlantikküste zu ihren Eltern.

„Warum erzählst du mir das?“ fragen mich deine Augen, und ich antworte auf deine Frage:
„Du siehst, ich will viel,
vielleicht will ich alles:
das Dunkel jedes unendlichen Falles
und jedes Steigens lichtzitterndes Spiel.
Hör auf zu spielen! Du sollst so sein, wie du bist!“

Ich zitiere Rilke und Rohmer in meiner Antwort. Ich frage mich, ob es meine Antwort ist, oder ob ich sie nur geliehen habe und mit den Worten spiele? Heißt, alles zu wollen, jemanden so zu wollen, wie er ist?

Rohmer hat von seinen Darstellern verlangt, so zu sein, wie sie sind, und dabei selbst nie aufgehört zu spielen. Er drehte Film über Film, um seine Gefühle auf seine Darsteller zu projizieren. Er spielte mit ihnen. Hat er jemals auf sie gehört?

Längst habe ich deinen Blick verlassen und mich in meinen Gedanken verloren. Als ich mich wieder finde, merke ich, dass du mich in meinen tiefsten Gefühlen triffst. Ich brauche dich, um zu mir zu kommen. Dort, in der Tiefe, will ich dich treffen.

Ich kehre zurück zu deinem Blick und sage ihm:
„Ich will nicht leben und sagen: Ich will nichts.
So als wäre ich durch meines leichten Gerichts
glatter Gefühle gefürstet.
Ich freue mich deines Gesichts,
das nach dem Leben dürstet.

Hör auf zu spielen!
Ich will dich, so wie du bist.
Ich will alles.“

Habe ich nun meine eigenen Worte gefunden, obwohl ich Rilke und Rohmer zitiere?

Prinz Tessin

Es war einmal ein Prinz aus dem Tessin, dem ging, als er durch deutsche Lande ritt, das T aus seinem Namen verloren.

Der Prinz war ein Liebhaber knapper Worte. Präpositionen und Artikel erschienen ihm überflüssig, und so nannte er sich nicht Prinz aus dem Tessin, sondern nur Prinz Tessin.

Als er in deutschen Landen unterwegs war und Herberg suchte, kam er an einer Burg vorbei. Er ritt zur Pforte und sprach: „Prinz Tessin, erbitte Einlass!“

Der Pförtner, der sich wohl seinen Kollegen aus Macbeth zum Vorbild genommen, ordentlich gezecht hatte und recht betrunken war, verstand:
„Prinzessin, erbitte Einlass!“ und erwiderte:
„Aber mein Herr, Sie sind doch keine Prinzessin! Sie sind höchstens ein Prinz!“
„Ja, Prinz Tessin!“ erklärte der Prinz aus dem Tessin.

Der Pförtner kugelte sich vor Lachen, um sich anschließend mühsam wieder aufzurichten und mit größtmöglicher Nüchternheit zu sagen:
„Na gut, Prinzessin, reiten Sie ein! Aber küssen tu ich Sie nicht, wenn es erlaubt ist!“

Und so ritt der Prinz aus dem Tessin in den Burghof ein und fand Herberg. Aber das T in seinem Namen ward ihm verloren gegangen.

Welt Wer Worte